
Der Essay dazu: Running over: Howard Hawks’ “Monkey Business”
(So gesehen, ist auch meine frühere Behauptung von Hawks als Meisterschützen eigentlich genau falsch. Getroffen wird hier im Daneben-Schiessen. Aiming High)

Der Essay dazu: Running over: Howard Hawks’ “Monkey Business”
(So gesehen, ist auch meine frühere Behauptung von Hawks als Meisterschützen eigentlich genau falsch. Getroffen wird hier im Daneben-Schiessen. Aiming High)

„Nichts ist vorbei. Nichts ist gelöst. Weder die Beziehungsprobleme zwischen dem Psychiater und seiner Gattin, noch das gestörte Verhältnis der beiden zu ihren Kindern. Sie habe in der Schule als späteren Berufswunsch „Patientin“ angeben, wird McIvers von seiner Frau vorgeworfen – Beweis, wie viel mehr Interesse und libidinöse Energie er an seine Schutzbefohlenen verschwendet, anstatt an seine Familie. Abgesehen von einer einzigen Szene, in welcher der Vater seine Kleine die Treppe hochträgt, ist diese vernachlässigte Tochter aber während des ganzen Films abwesend, auch und gerade am Ende. Der Film selbst mag sich um die Tochter nicht kümmern. Es ist, als wäre sie tatsächlich bereits als Patientin in einer geschlossenen Abteilung ausserhalb des Films für immer interniert worden.
Ebenso auffällig unangesprochen bleibt in Vincente Minnelli’s „The Cobweb“ die Figur des Sohnes, der mit sich selber Schach spielt und der am Ende seinem Vater gar die Absolution erteilen muss, als dieser mit schlechtem Gewissen erklärt, es sei halt manchmal für einen Arzt einfacher, sich um seine Patienten zu kümmern, als um die eigene Familie. „I know Dad“ meint darauf der kleine Sohn aufmunternd lächelnd, „that’s your job“ und sieht weiter zu, wie der Vater für den Patienten im Wohnzimmer Milch wärmt, während er sich sein Abendessen selber machen muss. Auffällig auch, dass dieser Sohn im ganzen Film so effeminiert erscheint, was nur noch stärker betont wird durch die kleinen Herrenanzüge und Hemden, die er trägt. Der kleine Mann sieht immer aus, wie ein Mädchen, das sich als Junge verkleidet. Der Film zeigt diese queere Figur und lässt sich doch nie auf sie ein. Dass jener „trouble“, von dem der Anfangs- und Schluss-Satz sprechen, auch ein „gender trouble“ sein könnte, davon will der Film offenbar nichts wissen. Der Betrachter aber fragt es sich umso mehr.“
aus: „Bilder geben: Übertragungen zwischen Film und Psychiatrie.“ in Filmbulletin 2 (März 2016)
… Ein Versehen des Concierge genügt und schon sind ganze soziale Ordnungen auf den Kopf gestellt. Das macht das Hotel auch zum Ort einer wirklich gewordenen Utopie, an dem die herrschenden Regeln der Gesellschaft, zumindest für eine Zeit lang, ausser Kraft gesetzt werden können. So wie der Fahrstuhl durch die verschiedenen Etagen gleitet, bestimmt ein simpler Knopfdruck über Auf- oder Abstieg. Alles ist möglich. Aber das heisst auch: Nichts gilt mehr.
Siegfried Kracauer hat in seinem Essay zur „Hotelhalle“ diese als Gegenentwurf zum Gotteshaus gelesen. Während die in der Kirche versammelten Menschen sich auf den einen Gott ausrichten und damit zur Gemeinde werden, befinde man sich in der Hotelhalle „vis à vis de rien“: „Statt auf das Gottesverhältnis gründet sich in der Hotelhalle die Gleichheit auf das Verhältnis zum Nichts.“
Weiterlesen: WELTREISE IM ZIMMER: ZUM HOTEL ALS ORT DES FILMS
erschienen in: Neue Zürcher Zeitung, 12.2.2016, S. 43
In der Grossaufnahme kommt das Medium an seine Grenzen, es wird ein anderes. Als «Fusions-, Siede-, Verdichtungs- oder Gerinnungspunkte» beschreibt denn auch Gilles Deleuze jene «Affekt-Bilder» von Gesichtern. Im Affekt-Bild der Grossaufnahme wird die sonst so eiserne Logik von Handlung und Ort ausgesetzt. Die Gesichter des Films führen vor, zu was mehr das Kino fähig ist.
Weiterlesen: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT: ÜBER DIE GROSSAUFNAHME.
(Bild: Screenshot aus Thomas Imbachs „Happiness is a Warm Gun“)
Die kaleidoskopische Zersplitterung der Person in eine Armee aus Doppelgängern erlaubt es Busby Berkeley schließlich auch, dass sich die weibliche Figur in einer Art topologischer Verdrehung gar in den eigenen Körper hinein fortsetzt und wieder aus diesem austritt: in einem der bizarrsten Momente der Sequenz sehen wir im Antlitz von Ruby Keelers, wie sich deren Auge öffnet und dass aus dieser Öffnung wiederum Ruby Keeler aufsteigt. Der Vorgang ist so unmöglich, dass er mit Worten kaum nachzuerzählen ist. Zugleich führt Berkeley damit nur vor, was man in der psychiatrischen Terminologie einen „schizophrenen Konkretismus“ nennen. So wie in dieser, der Schizophrenie eigentümlichen formalen Denkstörung, Metaphern nicht mehr als metaphorisch, sondern konkret verstanden werden, so nimmt auch Busby Berkeley in seiner Inszenierung den metaphorischen Songtitel „I Only Have Eyes for You“ wörtlich, indem er das Auge buchstäblich zum Schauplatz macht aus und in dem die Tänzerin auftaucht. „Ich habe nur Augen für Dich“ will hier heißen: die Augen werden von Dir genommen, benutzt, mit ihnen gespielt. Auch eine Redewendung wie „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ an welche auch der Songtitel offensichtlich anspielt, wird hier ganz konkretistisch genommen und wortwörtlich inszeniert, indem hier die weibliche Schönheit nicht nur metaphorisch „im Auge liegt“ sondern das Auge tatsächlich betritt.
Den ganzen Aufsatz lesen: CHOREOGRAPHIE ALS SCHIZOPHRENIE: BLEULER, DELEUZE UND DIE MUSICALS VON BUSBY BERKELEY.
erschienen in: D. Sollberger, H.-P. Kapfhammer, E. Boehlke, P. Hoff, T. Stompe (Hg.): Bilder der Schizophrenie, Berlin: Frank & Timme 2015, S. 307-321 .
Wenn der Glitch bedeutet, dass der Fluss des Signals ins Stocken gerät, so macht er uns damit auf diesen Fluss überhaupt erst wieder aufmerksam. Im Glitch gibt sich das elektronische System als sich selbst zu erkennen und materialisiert sich. Vormals ungreifbare Daten scheinen Körper von Gewicht zu werden, wenn sie sich zu Farbschlieren verklumpen oder in unseren Ohren pfeifen. Glitches machen nicht zuletzt klar, dass die störungsfreie Übertragung nur eine Möglichkeit unter anderen ist, nicht mal die wahrscheinlichste. Denn ohnehin sind Signal und Rauschen, wie man bei Claude Shannon und Friedrich Kittler nachlesen kann, ohne einander nicht zu haben. Nicht nur, dass bei jeder Übertragung zwangsläufig immer auch der Übertragungskanal sein Rauschen dazugibt, das Signal selbst kann aufgefasst werden, als selektiertes Rauschen.
Den ganzen Essay lesen: ACTING GLITCH: EINE SZENENANALYSE AUS ARI FOLMANS “THE CONGRESS”
erschienen in: filmbulletin 8 (2015), S. 44-45
Ob sich auch dies geändert hätte, fragt Allison mit Blick auf die Fotografie des Vaters und spekuliert darüber, wie das Leben wohl verlaufen wäre, wenn er nicht gestorben wäre. Indes – und das ist die heimliche Pointe dieser Szene, wie man im Laufe der Serie herausfinden wird – Allisons Vater ist gar nicht tot. Vielmehr hat die Mutter Constance MacKenzie ihrer Tochter die wahre Identität des Vaters stets verheimlicht, um ihr nicht sagen zu müssen, dass sie illegitimer Herkunft ist. Der Mann auf dem Foto auf dem Kaminsims ist somit auch gar nicht Allisons wirklicher Erzeuger, als vielmehr das Bild von Irgendjemandem, ein Platzhalter. Das Foto ist ein Zeichen ohne Referent, buchstäblich nur die Vorstellung die blosse Imagination eines Vaters oder in Anlehnung an Jacques Lacan Begriff des „Name-des-Vaters“ nur das Bild-des-Vaters ein image-du-père. Doch so wie sich bei Lacan der imaginäre Vater als Agent der Privation fungiert, so entpuppt sich auch hier dieses image-du-père unweigerlich als ein image-du-perte – ein Bild des Verlusts, in mehrfachem Sinne: Während für Allison die Fotografie einen Vater zeigt, der zwar verloren ist, einst aber existierte, zeigt für die Mutter, wie auch für den mitwissenden Zuschauer die Fotografie eine noch viel fundamentaleren Verlust. Nicht einmal das blosse Bild des Vaters ist echt, sondern nur eine Fälschung. Den Vater, den Allison zwar verloren zu haben, aber zumindest auf der Fotografie noch wiederzuerkennen glaubt, gab es gar nie.
Darüber hinaus aber steht die Fotografie in dieser Szene unweigerlich auch für jenen anderen verlorenen Vater, den verloren gegangenen Vater des filmischen Mediums selbst: die Fotografie, aus welcher der Film einst, irgendwie, geboren wurde.
Den ganzen Aufsatz lesen: CONTINUING PEYTON PLACE: DAS MELODRAMA UND SEINE BASTARDE
Mehr zum Buch: TAT/ORT. DAS UNHEIMLICHE UND SEIN RAUM IN DER KULTUR.
Beginnt es im Western zu schneien, ändert sich alles. Mit den meteorologischen Aggregatzuständen wechseln auch die Regeln eines Genres. Im Schneegestöber verliert der Western seine Farben und seine Orientierung, buchstäblich und im übertragenen Sinne…
Weiterlesen: WHITEOUT: EINE THEORIE DES SCHNEEWESTERNS.
The following essays, chapters and news paper articles were recently added to my homepage.
Read on if you want to know…
…what’s it about Rainer Werner Fassbinder’s love for happy endings and Jerry Lewis films…
…why movies set in hotels skip teleology for seriality, and the wild sea for carpet…

Zhang Yimou’s „Hero“ in 4661 frames (no rearrangements): Couldn’t think of any better way to make the film’s striking color coordination visible.
Bycatch of my lecture on film color at the Stadtkino Basel: http://schnittstellen.me/vortrag/ver-faerbungen-zu-den-befremdenden-farben-des-films/

The first ten seconds of „Das indische Tuch“ (1963), one of Alfred Vohrer’s entries in the popular german Edgar Wallace franchise of the 1960s: a lesson in excessive artificiality. The establishing shot of the film’s location is nothing but a tapestry, but with some fog hovering over it, as if the embroidered house were set in an actual landscape. But then again the tapestry is nothing but a curtain to be lifted, exposing yet another location, bizarrely artificial like the former. The screen split by a candleholder, with taxidermied horse in one and oversized Beethoven bust in the other half: an aristocrat’s cabinet of wonders, gone crazy. B-movie genre cinema becomes surrealist exhibition installation. (I thank David B. who brought this scene to my attention).
aus Walter Benjamins kurzem Text „Aussicht ins Kinderbuch“
Das Hineinkritzeln ins Bilderbuch erweist sich als zugleich Regelverstoss und Fortschritt. Quasi einer frühkindlichen Hackerethik folgend, spielen bereits die jüngsten Leser nicht nach den Regeln, sondern schreiben selbst, wo es angeblich nur zu lesen gibt. Und finden dabei heraus, was die Medien eigentlich sind und wie man sie anders gebrauchen könnte.
Inspiration fürs kommende Semester und mein Seminar „Spiel/Zeug: Medien der Kindheit“
Die diesjährige Retrospektive des Filmfestivals Locarno ist dem Aussenseiter Sam Peckinpah gewidmet. Eine willkommene Gelegenheit, sich (einmal mehr) seinem Werk zu widmen in einem umfangreichen Essay fürs filmbulletin. Dabei dient mir der Ausdruck des „Fall Out“ als zentrale Denkfigur: als Beschreibung nicht nur der Thematik von Peckinpahs Filmen, sondern auch deren formaler Gestaltung und nicht zuletzt von Peckinpahs eigener, widersprüchlicher Biographie. Abzurufen gibt es denn ganzen Aufsatz in der Sektion Aufsätze & Essays.
(Bild: Sam Peckinpah bei den Dreharbeiten zu THE WILD BUNCH).
Siehe zu Peckinpah auch den älteren Aufsatz: JUMP CUT. ZUR CHRONO-LOGIK VON FILM UND PSYCHOANALYSE.
A new essay on spaces of the uncanny in cinema, travelling from Fritz Lang’s passageways to Dario Argento’s chambers to David Lynch’s roads to Jonathan Glazers nothingness. Quite a ride. Check it out: http://wp.me/P5uDNz-oy
in: Nicola Mitterer, Hajnalka Nagy (Hg.): Zwischen den Worten. Hinter der Welt
Wissenschaftliche und didaktische Annäherungen an das Unheimliche. Innsbruck, Wien, Bozen: Studien Verlag 2015, 157-172.
Gedankenexperiment: Einen Spiegel auf einem anderen Planeten aufstellen. Gross genug, damit wir uns in ihm sehen können. Aufgrund der Entfernung wäre es möglich, dass unser Gesicht noch im Spiegel zu sehen wäre, während wir selber uns bereits umgedreht haben. Ist das nicht eigentlich auch so schon der Fall? Das Bild im Spiegel zeigt uns immer in einem leicht früheren Zustand, als jenem, in dem wir uns tatsächlich befinden. Das Spiegelbild ist immer ein wenig veraltet.
Obwohl zu den alltäglichen Gebrauchsgegenständen gehörend, können wir Spiegel immer noch nicht wirklich verstehen. Das wird einem aufs Neue klar, wenn man vor dem Doppelspiegel der Installation AIRE DE BELLELAY des Künstlerpaares Haus am Gern steht (http://www.abbatialebellelay.ch).
Schon ein Spiegel allein ist verwirrend genug. Wo der Spiegel sich in einem anderen spiegelt, ist der Wahnsinn nah. Zu Beispiel wird es dann möglich, sich selbst von der Seite zu betrachten, als gespiegelte Spiegelung. Die Betrachter, die sich in Bellelay nur schnell in diese Situation begeben und dann rasch wieder gehen, machen es falsch, bzw. vielleicht gerade richtig: sie lassen sich nicht auf den Spiegel ein. Tut man es, wird einem immer schleierhafter, was da eigentlich vor sich geht. So jedenfalls ist es mir gegangen als ich die beiden Essays (über die Spiegelung und deren schwarze Kehrseite) für das Künstlerbuch zur Ausstellung geschrieben habe. Die intensive Beschäftigung hat alles immer nur schwieriger und unverständlicher gemacht. Der Spiegel gehört zu jenen Gegenständen, die nicht klarer, sondern unklarer werden, je länger wir darüber nachdenken. Auch in dieser Hinsicht ist er eine Fortsetzungsmaschine. To be continued…
By showing as the final image of GONE GIRL a mere variation of its first Fincher also seems to comment on digital cinema as such. Opening and ending can be regarded as a simile of the unstable electronic image which, as Yvonne Spielmann puts it, „is best understood as transformation image“ since it only consists in a constant flow of signals.
It took a whole film for the subtle transformation between opening and final image. The two shots of Rosamund Pike are like one morphing digital image with a refresh rate of 2 hours, 23 minutes and 44 seconds. And what we can say about the disappearing and reappearing female protagonist of Fincher’s crime story may also serve as a paradox motto for the ambivalent digital medium per se:
She was never gone.
She was never here.
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See also: http://schnittstellen.me/vortrag/immanenz-hochauflosend-high-definition-undals-entstellung/
Im Gespräch mit Michael Pfister: „Die Spannung zwischen dem Nichts, dem Nothing, auf der einen und dem „Don‘t stop believing“ auf der anderen Seite spiegelt sich auch in unserem krampfhaften Versuch, dieses Ende von «The Sopranos» lesen zu können. Wir halten Ausschau nach einer Figur, die wir wiedererkennen, die ein potentieller Mörder sein könnte, und alles, was gezeigt oder gesagt wird, erhält eine allegorische Qualität: Tonys Frau Carmela erwähnt, dass die Tochter die Verhütungsmethode ändert. Und sogleich lässt sich das lesen als Kommentar zum grossen Mafiathema der Familie, der Genealogie. „Birth control“ wird zur Metapher für das, was die Mafia unablässig tut: die eigene Nachfolge kontrollieren, gewährleisten, dass die andere Familie nicht zu mächtig wird. Der Umstand, dass der Schlussong den wir hören, ausgerechnet von jener Band stammt, die „Journey“, also „Reise“ heisst. Oder die Tatsache, dass die Figuren hier zusammen onion rings essen, die besten im ganzen Bundestaat, wie Tony anmerkt: der Ring als Zeichen für das endlose In-sich-Kreisen. Will auch sagen: Wir sind wieder am Ende einer Staffel, eines Zyklus angelangt, wie schon all die Staffeln zuvor. Wieder findet die letzte Szene im Kreis (sic!) der Familie statt. Oder die Tochter Meadow vor dem Diner, die Mühe hat, ihren Wagen zu parken: auch das scheint hochsymbolisch, ein Sinnbild für die Unmöglichkeit, zur Ruhe, zu einer Closure zu kommen, die Lücke zu füllen.“
aus: Totalität und Unendlichkeit. Ein Dialog über die Fernsehserie.
Es geht um Unterwerfung. Es geht darum, sich anzubieten. Der Masochismus bietet sich an. Auch und gerade den Bildern. Denn der Masochismus, so schreibt Gilles Deleuze in seinem langen Essay über die Erzählungen Leopold von Sacher-Masochs, ist nicht denkbar ohne den Fetischismus, welcher sich bekanntlich dadurch auszeichnet, dass er die Hüllen und Bilder der eigentliche Sache vorzieht…
Zum vollständigen Artikel: http://wp.me/P5uDNz-il
Erinnert Charles Foster Kanes Xanadu unweigerlich an die Bauten, wie sie Giovanni Battista Piranesis in seine „Antichità Romane“ präsentiert, so erscheint das Ende des Films, wenn der Besitz des Zeitungsmagnaten inventarisiert wird, als direktes Zitat jener wahnwitzigen Ansichten der Via Appia, in denen Piranesi die ganze Landschaft mit den Artefakten der Antike überwuchern lässt. Piranesis Ruinen sind übermächtig, gerade in ihrem Trümmerzustand – und so scheinen auch Welles‘ immer wieder auf Puzzlespiele, Explosionen und Zertrümmerung zulaufende Filme gerade in ihrer ausgestellten Fragmentierung gelungen. Das Fragment visuelles Motiv, Thema und zugleich Fluch von Welles‘ Oeuvre ist vielleicht auch sein grosser Erfolg.
Orson Welles: Fragment als Gesamtkunstwerk.
Samstag, 2. Mai. 2015, 18:00, Kino Kunstmuseum Bern (Hodlerstr. 8)
…eine sehr gut zu lesende, anspruchsvolle, packende und erstaunlich originelle Studie zum Thema der Räumlichkeit und Medialität des Unheimlichen, die man jedem Kulturwissenschaftler wärmstens empfehlen kann, der nur in die Nähe dieses Themas gerät. Und den anderen auch.
NCCR Mediality Newsletter 13 (2015), S. 20-22.
Siehe auch Rubrik: „Buch“